Jahrhundertausstellung

Heute kann man sich kaum vorstellen, mit welcher Dynamik – für die damalige Zeit – die Eröffnung des Ausstellungsgeländes samt der Jahrhunderthalle und des Vier-Kuppel-Pavillons, der Jahrhundertausstellung, stattgefunden hat. Ja, wir wissen, dass die Ausstellung die Geschichte und das kulturelle Erbe der schlesischen Länder präsentierte. Tatsächlich aber war es eine Manifestation der Macht ganz Preußens, am hundertsten Jahrestag der Niederlage der napoleonischen Armee, d.h. der französischen Armee. Das deutsch-französische Grenzland stand seit Jahrhunderten in Flammen, daher wohl auch der Wunsch, den erlangten Vorsprung so deutlich hervorzuheben. Sehr eifrig formten deutsche Hände damals das Victory-Zeichen.

Die Ausstellung gliederte sich im Wesentlichen in zwei Teile – die Besucher konnten die Erinnerungsstücke an die napoleonischen Kriege – zivile und militärische – bewundern und als Anerkennung für deutsches Ingenieurswissen die Melone lüften. Die Lebensrealität von vor einem Jahrhundert wurde mit viel Liebe zum Detail dargestellt. Erinnern wir uns daran, dass der Sprung zwischen 1813 und 1913 ein Meilenstein war, die industrielle Revolution in diesem Jahrhundert stattfand und die Welt ihr Antlitz radikal veränderte. Es gab Elektrizität, Dampfmaschinen, Eisenbahnen, Autos, Straßenbahnen, Zeppeline… Mit einem Wort, eine beschleunigte Modernität. 

Der Erfolg der Historischen Ausstellung ist zu einem großen Teil darauf zurückzuführen, dass die Kraft ihres Ausdrucks sowohl vom Künstler als auch vom Architekten geprägt wurde (…). Die Tatsache, dass die Bereiche auf eine so interessante und einnehmende Weise geschaffen wurden, indem große Säle und kleine Räume geschickt miteinander verflochten wurden, führte zur Durchdringung der ersteren und zum vertrauten Charakter der letzteren. Dies hatte eine faszinierende Wirkung, und die einzelnen Ausstellungsbereiche erhielten ihren musikalischen Rhythmus durch eine abwechslungsreiche architektonische Form und erhöhten damit die Bedeutung der Historischen Ausstellung über den Rahmen einer gewöhnlichen Präsentation hinaus – all dies ist Poelzig zu verdanken”, schrieb Max Berg begeistert in einem Brief an den Oberbürgermeister von Breslau. Leider wissen wir bereits, dass die Stadtbehörden seine Bewunderung nicht teilten, indem sie den Erbauer des Vier-Kuppel-Pavillons in die Anonymität (nun ja, nicht eine hundertjährige) und – als Folge davon – in die Emigration nach Berlin drängten.

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