Bau der Jahrhundert-Halle

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Die Jahrhunderthalle – Werkstoffe Und Technologie

Die ersten Arbeiten an der Jahrhunderthalle (Einrichtung der Baustelle) begannen im Mai 1911. Im August und September steckte man die Hauptachsen des Bauwerks ab und es wurde mit den Erdarbeiten begonnen. Bis Januar 1912 wurden die Fundamente fertig gegossen. Im April begann man das Baugerüst zu stellen und die Schalung für vier Hauptpfeiler der Halle auszuführen, bis September konnte die Betonierung der Kuppel fertig gestellt werden, anschließend verkleidete man die Kuppel mit Fensterwänden und Deckenstufen. Im Dezember 1912 übergab die Firma Dyckerhoff & Widmann das Objekt im Rohbauzustand an die Stadt.
Der Stahlbeton – ein leichter und flexibler Werkstoff, weckte trotz seiner ausgezeichneten technischen Eigenschaften in der Bergs Epoche Befürchtungen. Der Stahl hatte seinen gewichtsmäßig messbaren Wert. Die Stahlkonstruktionen genossen trotz ihres riesigen Gewichts und Aufwands das Vertrauen der Erbauer. Man befürchtete, was passiert, wenn das ganze Baugerüst um die Halle beseitigt wird und diese wird selbst stehen müssen. Die für den Bau verantwortlichen Arbeiter wurden von ihrer Angst in Erstaunen versetzt, als Berg auf die Straße ging und einen zufälligen Passanten bat, dem Architekten gegen eine Goldmark bei der Lockerung der ersten Schalungsschraube zu helfen. Zu diesem Zeitpunkt begann der Stahlbeton – der bewehrte Beton – seine Erfolgsgeschichte im Bauwesen und in der Architektur.
Für den Bau der Jahrhunderthalle wurden die erstklassigen Baustoffe verwendet. Das Oppelner Zementwerk Silesia lieferte einen Sonderzement, der vorher strengen baulichen Prüfungen unterzogen wurde. Nach Durchführung der Prüfungen auf Stahlbrüchigkeit entschied man sich, den Walzstahl mit erhöhter Beständigkeit einzusetzen. An besonders beanspruchten Stellen verwendete man den Striegauer Granit – einen Zuschlagstoff mit den besten Eigenschaften. Die Holzfenster sind aus australischem Eisenholz ausgeführt worden.
Die Kuppel der Jahrhunderthalle mit einer Spannweite von 65 m Durchmesser war zum Zeitpunkt der Fertigstellung dieses Bauwerks weltweit am größten und stellte damit sogar das römische Pantheon in den Schatten. Die Stahlbetonkonstruktion zeichnete sich dabei durch ihr wesentlich geringeres Gewicht und die größere Beständigkeit aus. Um „die Wahrheit des für die Errichtung dieses Bauwerks verwendeten Werkstoffes” hervorzuheben, entschied sich Berg, auf Verzierungen und Ornamente zu verzichten.

AUSSERGEWÖHNLICHE BAUTECHNOLOGIE

Der Bau der Jahrhunderthalle dauerte nur 14 Monate. Dank der Nutzung von zwei Türmen, die sich auf den um das Gebäude gelegenen Gleisen bewegten, war das Arbeitstempo extrem hoch.
Elektrisch angetriebene Türme, die mit Seilen mit der Spitze der errichteten Konstruktion verbunden waren, bildeten eine über dem Baugerüst gespannte Seilbahn mit einer Tragkraft von bis zu 2500 kg.